2+Leif:FDP-Fraktionschef Brüderle verlangt stärkere Anstrengungen Griechenlands und sieht Neuwahlen kritisch/Linksfraktionschef Gysi gegen Sonderkonto-Forderung für Griechenland



Berlin (ots) – Der Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, hat sich für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone aber für mehr Anstrengungen des Mittelmeer-Landes ausgesprochen. In der SWR-Talkshow “2+Leif” sagte Brüderle am Montagabend: “Ich will die gar nicht rausschmeißen. Das Kernproblem Griechenlands ist, dass es nicht wettbewerbsfähig ist. Das kann man nicht lösen, indem man sie mit Geld zuschüttet, sondern indem die sich auf den Weg machen, die unterlassenen Reformen anzupacken.”

Brüderle warnte in “2+Leif” zugleich vor einer Erlahmung des Reformeifers durch mögliche Neuwahlen in Griechenland: “Es ist eine griechische Entscheidung, wann sie wählen, aber ich hielte es für sinnvoll, wenn sie nicht gerade in einer solchen Phase, wo sie sich zusammenraufen müssen, unmittelbar unter Wahlkampfdruck setzen. Wie sie ihren Weg gehen, ist ihr Bier, aber es ist natürlich schwer drei Monate vor Wahlen solche Entscheidungen parlamentarisch zu verkraften.”

Im SWR fügte Brüderle hinzu: “Solidarität ist keine Einbahnstraße. In Rheinland-Pfalz sind wir sehr gastfreundlich. Wenn Sie da einen Gast zu einem Glas Wein einladen, oder zwei, dann ist das in Ordnung. Aber eine Freundschaft, die daraus besteht, dass der eine nur trinkt und der andere nur zahlt ist keine Dauerfreundschaft.”

Ebenfalls in “2+Leif” kritisierte der Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Gregor Gysi, das von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeschlagene Sonderkonto für griechische Steuereinnahmen als Eingriff in die Souveränität Griechenlands: “Ein Sonderkonto, wo alles Geld hinfließt, ist natürlich ganz klar gegen die Verfassung in Griechenland. Wir müssen ja auch die innere Struktur ein bisschen beachten.”

Im SWR warnte Gysi zudem vor den Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion: “Das würde sie möglicherweise in eine Hungerkatastrophe stürzen und dann müssen wir das sowieso bezahlen, weil wir das gar nicht zulassen können.” Statt immer weiterer Kürzungen, müsste endlich in Griechenland investiert werden, so Gysi. Mit Blick auf den Wiederaufbau Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg sagte er in “2+Leif”; “Bei der Krise in Europa greifen wir zu Versailles anstatt zu Marshall. Wenn wir Griechenland und die anderen Länder aufbauen, dann fließt auch unser Geld zurück.”

Nicht zur Veröffentlichung:

Die Nachricht wurde vorab, nach Aufzeichnung der Sendung verbreitet. “2+Leif” wird am Montagabend um 23 Uhr im SWR-Fernsehen ausgestrahlt.

Kontakt:

Peter Bergmann

2+Leif verantw. Redakteur SWR Fernsehen 0173-6168655 peter.bergmann@swr.de

Sendung: Mo, 06.02.2012 | 23:00
| 2+Leif
| Talk

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