Sehrbrock: Pakt präsentiert geschönte Bilanz, Ausbildungslücke größer
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock hat die aktuelle Bilanz des Ausbildungspaktes kritisiert. „Der Ausbildungspakt präsentiert uns heute wieder eine frisierte Bilanz. Frei nach dem Motto ‚Es kann nicht sein, was nicht sein darf’ wird die Statistik schöngerechnet. So wird die wahre Lage auf dem Ausbildungsmarkt systematisch verschleiert“, sagte Sehrbrock am Dienstag in Berlin.
Das Ergebnis der geschönten Statistik: Während der Pakt Jahr für Jahr eine entspannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt verkündet, haben 1,5 Millionen Menschen im Alter von 20 bis 29 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung. Das sind 15 Prozent dieser Altersgruppe. „Angesichts solcher Zahlen zu behaupten, jeder ausbildungswillige und -fähige junge Mensch bekomme einen Ausbildungsplatz, ist schlicht zynisch. Wir brauchen dringend eine ehrliche Ausbildungsstatistik in Deutschland. Sie muss den politisch Verantwortlichen klar aufzeigen, an welchen Stellen nachgesteuert werden muss, um allen Jugendlichen einen qualifizierten Berufsabschluss zu ermöglichen. Die aktuelle Bilanz wird diesem Anspruch nicht gerecht. Sie täuscht eine entspannte Lage vor und nimmt damit den Druck von den verantwortlichen Akteuren“, sagte Sehrbrock.
Der DGB bemängelt zwei Kernfehler der Ausbildungsbilanz: 73.456 Jugendliche, die in Warteschleifen untergebracht worden sind, werden vom Pakt als versorgt gezählt – obwohl sie ausdrücklich noch einen Ausbildungsplatz suchen. Werden diese Jugendlichen mitgezählt, liegt die Lücke der unversorgten BewerberInnen bei 84.000 – statt der vom Pakt verkündeten 9.603 unversorgten jungen Menschen. „Wir brauchen einen echten Paradigmenwechsel. Junge Menschen in Warteschleifen dürfen nicht mehr als versorgt gezählt werden. Nur so bekommen wir einen ungeschminkten Blick auf den Ausbildungsmarkt“, erklärte Sehrbrock.
Die stellvertretende DGB-Vorsitzende wies zudem darauf hin, dass nicht jeder Jugendliche, der einen Ausbildungsplatz sucht, bei der Bundesagentur für Arbeit auch als BewerberIn geführt wird. In einer ersten Vorauslese werden zehntausende Jugendliche als nicht ausbildungsreif deklariert – und verschwinden so aus der Pakt-Statistik. „Wir können uns BewerberInnen erster und zweiter Klasse nicht leisten. Jeder junge Mensch, der einen Ausbildungsplatz sucht, muss in der Bilanz gezählt werden“, sagte Sehrbrock.
